1904 -1945

Eine Ära wird beendet und die Kriegsjahre
1904 -1945  


Im September 1904 gründete die Freiwillige Feuerwehr Ricklingen das Musikkorps, dass dann unter der Leitung von Fritz Meyer weiter ausgebaut und zu hohem Ansehen gebracht wurde.

Der nächste große Schritt in der Geschichte der Wehr war die Gründung des Kreisverbandes der freiwilligen Feuerwehren im Jahr 1909. Für den Landkreis Linden wurde der erste Hauptmann Kreipe zum Vorsitzenden und Kreisbrandmeister gewählt.

Die jährliche Unterstützung der Feuerwehr erhöhte die Gemeindeverwaltung, in den Jahren 1911/1912, von 300 auf 500 Mark. Außerdem ging im Jahr 1912 ein lang ersehnter Wunsch der Feuerwehr in Erfüllung. Der Gemeindeausschuss bewilligte den Bau eines zeitgemäßen Spritzenhauses und eines neuen Steigerturms. Der Bau wurde von dem Maurermeister Carl Schünemann durchgeführt, der selbst Mitglied der freiwilligen Feuerwehr war. Schon im September des Jahres konnte Einweihung gefeiert werden.

Zur Zeit der Eingemeindung der Landgemeinde Ricklingen (6. Juni 1913) in die Stadt Linden betrug Ricklingens Einwohnerzahl ca. 6680. Der Eingemeindungsvertrag sah vor, dass die Freiwillige Feuerwehr Ricklingen in ihrer bisherigen Form, mit allen Gerätschaften und Einrichtungen, bestehen bleiben konnte. Die Stadt Linden unterstützte die Feuerwehr fortan mit 500 Mark jährlich und sagte eine Installation von Feuermeldern auf städtische Kosten zu.

Im folgenden Jahr (1914) begann der 1. Weltkrieg und dieser machte auch vor den Kameraden der Feuerwehr nicht Halt. Immer mehr wurden zu den Waffen gerufen, so dass gegen Ende 1915 die Zahl der aktiven Mitglieder auf 30 zusammengeschmolzen war.

Glücklicherweise kehrten am Ende des Krieges alle Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Ricklingen zurück. Der Wiederaufbau, insbesondere die Gerätebeschaffung erwies sich als sehr schwer.

Die Zeit nach der Eingemeindung der Stadt Linden in die Stadt Hannover (1920), die schweren Inflationsjahre, erforderte viel Opferbereitschaft von jedem einzelnen Kameraden. Die Mitgliedsbeiträge dieser Zeit erhöhten sich monatlich und das zerrte an der finanziellen Kraft. Aller Nöte und Sorgen zum trotz, blieben die Kameraden "ihrer" Feuerwehr treu. Sie hielten zusammen und standen gemeinsam allem gegenüber, das noch kommen möge.
Die Einwohnerzahl Ricklingens wuchs bis zum Jahr 1925 auf ca. 7600 Einwohner an.

1927 brachte die Hanomag einen Kleinlastwagen unter der Bezeichnung "Hanomag" Dreivierteltonner heraus.
Dreivierteltonner weil dieses kleine Auto eine Zuladung von 750 Kilo hatte. Der Wagen wurde von einem 10 PS starken Motor angetrieben und erreichte damit eine Geschwindigkeit von 30 kmh.
Vom Werk war der Wagen mit Pritschen- oder Kastenaufbau zu haben. Außerdem lieferte ihn die Hanomag auch ohne Aufbau.
So konnten Karosseriefirmen Aufbauten nach Kundenwunsch auf das Chassis montieren.

Die Fa. Koebe aus Luckenwalde stellte zu dieser Zeit Aufbauten für Feuerwehrfahrzeuge her. Sie hat unter anderem auch auf Chassis des Dreivierteltonners auch solche Aufbauten gesetzt. Mit Leiterhalterung kostete das Fahrzeug dann 6950,-RM. Fahrzeug Bilder

Eines dieser Fahrzeuge war bei der FF-Ricklingen im Dienst.
Vermutlich ist es 1935 in Dienst gestellt worden. Kamerad Willi Wendorf hat in der Chronik zum 75jährigen bestehen der Wehr bemerkt: "Von der Stadt Hannover erhielt dle Wehr 1935 eine Motorspritze und konnte somit die alte verdiente Handdruckspritze abschaffen".
Wahrscheinlich ist es das erste automobile Fahrzeug unserer Wehr gewesen.

Bis 1945 war dieses Fahrzeug im Einsatz und damit auch während der Luftangriffe im 2. Weltkrieges.

Nach dem Krieg haben Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene 1945 nach ihrer Befreiung das Gerätehaus aufgebrochen und Fahrversuche mit dem Fahrzeug
unternommen. '
Nachdem der Tank leer gefahren war I haben sie die Reifen zerstochen und das Fahrzeug total demoliert.

Die Bilder zeigen allerdings das Fahrzeug der Werkfeuerwehr der Hanomag. Es war identisch mit unserem, von dem wohl keine Aufnahmen vorhanden sind.

Weil das für den Löschangriff nötige Gerät in dem kleinen Fahrzeug kaum
unterzubringen war, hat unseres wahrscheinlich auch einen Anhänger mitgeführt. Ob es sich dabei um den gleichen gehandelt hat wie der hier abgebildete, ist nicht bekannt.


Im Jahr 1928 konnte schon wieder gefeiert werden. Die Freiwillige Feuerwehr Ricklingen bestand nun schon seit 50 Jahren. An drei Tagen im Mai des Jahres wurde ein Fest mit Empfängen, Übungen, Festumzügen und Tanz veranstaltet.
Der Feuerwehr eilte ein guter Ruf voraus und die Prämien und Auszeichnungen standen für den guten Ausbildungsstand.

Die Zeit ging ins Land und es kam das Jahr 1933. Mit der Machtergreifung Hitlers änderte sich sehr viel. Diese Veränderungen betrafen auch die freiwilligen Feuerwehren.
Auf Grund des preußischen Feuerlöschgesetzes musste die Freiwillige Feuerwehr Ricklingen der Freiwilligen Feuerwehr Hannover beitreten. Ein Jahr später wurde verfügt das Musikkorps der Freiwilligen Feuerwehr Ricklingen aufzulösen. Es war damals der Stolz der Ricklinger und dessen Auflösung wurde von der Bevölkerung sehr bedauert.
Im Jahr 1938 wurden die freiwilligen Feuerwehren ganz Deutschlands in Feuerlöschpolizeien, eine nach Löscheinheiten gegliederte Hilfspolizei, umgewandelt.
Mit Beginn des 2. Weltkrieges, im Jahr 1939, wurden viele Kameraden zur Wehrmacht einberufen. Die wenigen, die nicht in den Krieg ziehen mussten waren als Facharbeiter in der Rüstungsindustrie tätig oder als Bauern für die "Volksversorgung" unabkömmlich. Nach den Bombenangriffen auf die Stadt waren sie oft Tag und Nacht im Einsatz.
Hin und Her gerissen zwischen Bomben, Trauer um die Toten und zerstörten Häusern, erlebten die Ricklinger Bewohner die Schrecken des Krieges. Einige Kameraden haben, an der Front oder zuhause, ihr Leben lassen müssen.
Endlich kam das Jahr 1945 und der Frieden kehrte zurück. Die Freiwillige Feuerwehr Ricklingen bereitete einen Neustart vor.